Aktuelle Projektförderungen

Was die Gesundheit betrifft gehören Migrantinnen und Migranten in vielen Fällen zur vulnerablen Bevölkerungsgruppe. Umso wichtiger ist daher, sie dabei zu unterstützen eigenständig für ihre Gesundheit sorgen zu können. Dazu gehört, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und auch zumindest über ein grundlegendes Gesundheits- bzw. Krankheitswissen zu verfügen.  Die Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden-Württemberg widmet sich dem Thema mit ihrem derzeitigen Schwerpunktthema „Gesundheitskompetenz für Migrantinnen und Migranten stärken“ Folgende Projekte werden dabei aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung Baden-Württemberg gemäß § 20a SGB V unterstützt. Nachfolgende Informationen wurden der Stiftung von den Projektträgern zur Verfügung gestellt.

 

Gesundheitslotsen für Migrantinnen und Migranten in Stuttgart

Schlüsselpersonen als interkulturelle Türöffner zu Gesundheitsthemen

Das Projekt „Gesundheitslotsen für Migrantinnen und Migranten in Stuttgart“ zielt darauf ab, dass gut integrierte Migrantinnen und Migranten zu sogenannten Gesundheitslotsen ausgebildet werden, um ihre Landsleute an Themen zur Prävention und Gesundheitsförderung heranzuführen und über das deutsche Gesundheitssystem zu informieren. 45% der Stuttgarter Einwohner/innen haben einen Migrationshintergrund und stammen aus insgesamt 180 verschiedenen Nationen. So unterschiedlich wie die Herkunft der Menschen in Stuttgart ist, so unterschiedlich sind auch die Einstellungen zum Thema Gesundheit und Krankheit und das Wissen über das Gesundheitssystem. Studien zur Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland weisen einen Zusammenhang zwischen dem Migrationsstatus und der gesundheitlichen Lage im Sinne eines schlechteren allgemeinen Gesundheitszustands auf.

Die Durchführung des Projektes erfolgt in Zusammenarbeit mit allen für die Zielgruppe relevanten Ämtern und Institutionen in Stuttgart, wie beispielsweise die Abteilung Integrationspolitik, Migrantenvereine und viele weitere mehr. Das bereits existierende Netzwerk soll gemeinsam mit den allen am Projekt Beteiligten weiterentwickelt werden. Besonders am Projekt ist, dass sowohl die Lotsen als auch die Zielgruppe im Sinne der Partizipation in die Entwicklung des Projektes eingebunden werden. Hierzu zählen sowohl die Auswahl der relevanten Themen als auch die Weiterentwicklung und Anpassung von Materialien mit dem Ziel, die individuellen Bedürfnisse der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen adressatengerecht zu bedienen. 

 

Passerelle

In Tübingen wurden am „Hechinger Eck“ drei Häuser mit Anschlusswohnungen für geflüchtete Menschen gebaut. Hier ist das Projekt „Passerelle“ angesiedelt, um neue Formen der Hilfen für Geflüchtete zu entwickeln. Das Projekt Passerelle bietet mit seinen Räumen – Werkstatt, Gruppenraum, Garten- und Außenbereich – eine Plattform für Aktivitäten. Ein inhaltlicher Schwerpunkt sind dabei Gesundheitsbildung und -förderung der Geflüchteten.

Geflüchtete Menschen unterscheiden sich von anderen Zielgruppen. Viele herkömmliche Ansätze der Gesundheitsförderung sind nicht übertragbar, Konzepte und Methoden müssen angepasst werden. Deshalb entwickelt das Projekt eine Konzeption für Health Literacy und Gesundheitsförderung für Geflüchtete. Konkrete Maßnahmen wie Trainings, Kurse oder Gruppenangebote werden partizipativ entwickelt und durchgeführt: niedrigschwellige Informationsanlässe und Veranstaltungen zu Gesundheitsthemen, Aktivitäten zur Bewegungsförderung und intensive Gruppen nach dem in der Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten bewährten Konzept „EXIT“. Auch die Aktivitäten in Werkstatt und Garten werden als Zugang zu Prävention, Gesundheitsbildung und -förderung gesehen. Sie reduzieren soziale Risikofaktoren wie Einsamkeit, Resignation oder geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Diese Formen der Gesundheitsbildung und -förderung werden ins Setting eingebettet und vernetzt, insbesondere über die Zusammenarbeit mit Freiwilligen und mit anderen Institutionen. Im Setting bilden sich so neue soziale Beziehungen; haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende erleichtern den Geflüchteten Zugänge zu medizinischer und psychologischer Gesundheitsversorgung und helfen, Schwellen zu gesundheitsfördernden Angeboten abzubauen.

Weitere Informationen:https://projektpasserelle.wordpress.com/

 

DER VEREIN BIKE BRIDGE: BEWEGEN, VERBINDEN, STÄRKEN

Bike Bridge e.V. (BB) baut eine Brücke zwischen Menschen mit Flucht- oder/und Migrationsgeschichte und Menschen aus der lokalen Bevölkerung mit dem Ziel das Gemeinschaftsgefühl in der Gesellschaft zu stärken. Unsere Vereinsziele sind die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft. Als Instrument nutzen wir den Sport, genauer gesagt das Fahrradfahren. Die „Bike & Belong“ Fahrradkurse sind der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten. Durch eine stärkere gesellschaftliche und soziale Teilhabe wird die Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Flucht- oder/und Migrationsgeschichte positiv beeinflusst, z.B. durch die Stärkung der Handlungsfähigkeit und die Förderung der physischen und psychischen Gesundheit. Durch ein niedrigschwelliges Angebot erleben alle Beteiligten Begegnung, Austausch und (interkulturellen) Dialog auf Augenhöhe.

Weitere Informationen: https://bikebridge.org 

 

Gesunde Stadt - Gesunde Gemeinde Eningen im Landkreis Reutlingen

Projektkoordination mit Schwerpunkt Förderung der Gesundheitskompetenzen bei Migrantinnen und Migranten

Mit diesem Projekt soll die Gesundheitskompetenz von Migrant*Innen verbessert werden. Das Projekt richtet sich an alle Migrant*innen der Gemeinde Eningen und soll neben der Verbesserung gesundheitsbezogenen Wissens, Zugänge zum Gesundheitssystem ebnen und damit langfristig auch die Integration fördern.

Projektbausteine sind:

  • Gesundheitssprechstunde für Migrantinnen und Migranten mit gesundheitlicher Einzelfallhilfe
  • Kultursensible und niedrigschwellige Vermittlung von Gesundheitswissen (z.B. im Rahmen eines interkulturellen Frauenkreises)
  • Ausbildung von Multiplikatoren, die Wissen über relevante Gesundheitsthemen und über Zugänge zu gesundheitlicher Versorgung im Familienkreis und sozialen Netzwerk weitergeben
  • Ausbau des Netzwerkes von gesundheitsfördernden Angeboten und Strukturen für Migrantinnen und Migranten

Getragen wird das Projekt von einem neu gegründeten interkulturellen Arbeitskreis „Gesundheitskompetenzen bei Menschen mit Migrationshintergrund“, der Bedarfslagen erfasst und entsprechende Angebote initiiert. Das Projekt ist eingebettet in ein fundiertes gesundheitliches Quartiersmanagement, das die Gemeinde Eningen im Rahmen ihrer Zertifizierung (2015) und Rezertifizierung (2018) zur „Gesunden Gemeinde“ aufgebaut hat. Die Projektevaluation erfolgt durch die Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz im Kreisgesundheitsamt Reutlingen.